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Ungarische Vertragsarbeiter blicken zurück

Vor 50 Jahren kamen erstmals ungarische Vertragsarbeiter nach Ludwigsfelde. Sie arbeiteten im damaligen Ifa-Werk – und einige sind geblieben.

Ludwigsfelde Vor 50 Jahren hat zwischen Ludwigsfelde und Ungarn eine enge Partnerschaft begonnen. Aufgrund des Arbeitskräftemangels in der DDR kamen am 12. September 1968 nach einem Regierungsabkommen die ersten ungarischen Arbeitskräfte nach Ludwigsfelde. Viele der insgesamt 120 Arbeiter blieben auch nach Ablauf ihres Vertrags in der Stadt und haben in Ludwigsfelde eine zweite Heimat gefunden. Aus Anlass des 50. Jahrestags haben sich am Freitagabend ehemalige Arbeiter im Klubhaus Ludwigsfelde getroffen, um zurückzublicken.

Vertreter der Botschaft unter den Gästen

Unter den etwa 35 Gästen waren auch der Landtagsabgeordnete Danny Eichelbaum (CDU), der Stadtverordnete Peter Dunkel (Die Linke), einige Gäste von der Freiwilligen Feuerwehr und József Vápár von der Ungarischen Botschaft. Gemeinsam ließen sie die vergangenen 50 Jahre Revue passieren. „Wir wollen alte Erinnerungen auffrischen und neue Ideen wecken.“, sagt Carla Karstädt, die ehemalige Leiterin des Kulturhauses. 

Nur Fachleute durften nach Deutschland

„Das war schon eine Sensation“, erinnert sich Josef Laszlo Jagoschitz an den Tag, an dem er 1968 zusammen mit anderen ungarischen Arbeitern am alten Bahnhof in Ludwigsfelde ankam. Vorher musste in Ungarn ein Eignungstest absolviert werden, denn nur geprüfte Fachleute durften nach Deutschland. In Ludwigsfelde erhielten die jungen Männer einen Dreijahresvertrag im IFA-Automobilwerk. Dort arbeiteten sie in der Karosserie, als Schmiede, Schweißer, Lackierer oder Schlösser. In ihrer Freizeit traten einige den Sportvereinen in der Umgebung bei. Am Abend ging es oft zum Tanzen. „Wir haben uns Motorräder gekauft, um mehr unternehmen zu können und die Umgebung zu erkunden“, sagt Josef Laszlo Jagoschitz.

Heirat im Klubhaus

Neben dem Austausch von Erfahrungen blieb am Freitag auch Zeit sich alte Fotos anzuschauen. Ferenc und Monica Mihaly haben 1974 im Kulturhaus Ludwigsfelde geheiratet. Auf seinem Handy hat Ferenc Mihaly ein Foto von der Hochzeit. Er kam im Oktober 1972 nach Ludwigsfelde. „Wir haben viel getanzt und sind dann in der Nacht oft von Stahnsdorf nach Ludwigsfelde zurückgelaufen“, erzählt er. Nach Ablauf seines Dreijahresvertrags musste er zunächst zurück nach Ungarn, um seinen Wehrdienst zu leisten. „Wir haben unser Auto verkauft und von dem Geld bin ich dann alle paar Monate nach Ungarn geflogen, um ihn zu besuchen“, erinnert sich Monica Mihaly. „Wir hatten Glück“, sagt das Ehepaar. Nach seiner Zeit bei der Armee kehrte Ferenc Mihaly zu seiner Frau nach Ludwigsfelde zurück. 

Über ihre Geschichten kann man Bücher schreiben, da sind sich die ehemaligen ungarischen Arbeiter einig. Von Melanie Breitkopf

Quelle: Märkische Allgemeine Zeitung, 29.10.2018

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